VORSORGE

Fondsgebundene Rentenversicherung: Fondspolice, Kosten und Steuervorteil erklärt

Fondsgebundene Rentenversicherung verständlich erklärt: wie die Fondspolice funktioniert, Nettopolice gegen Bruttopolice, Kosten gegen ETF-Depot und der Steuervorteil der 12/62-Regel.

Alessandra Massaro

Alessandra Massaro

Versicherungsvermittlerin nach § 34d GewO

Aktualisiert am 01. Juni 2026

Eintrag im Vermittlerregister einsehen →
Fondsgebundene Rentenversicherung: Fondspolice für die private Altersvorsorge

Kurze Antwort

Eine fondsgebundene Rentenversicherung, kurz Fondspolice, ist eine private Rentenversicherung, bei der das Sparkapital in Fonds oder ETFs investiert wird. Sie verbindet die Renditechancen des Kapitalmarkts mit Versicherungsvorteilen wie der lebenslangen Rentengarantie und dem Steuervorteil der 12/62-Regel. Entscheidend für den Erfolg sind die laufenden Kosten. Eine moderne, günstige Police ab rund 0,7 % im Jahr ist wettbewerbsfähig, eine teure Altpolice mit 2 % frisst dagegen einen Großteil der Rendite auf.

Was ist eine fondsgebundene Rentenversicherung?

Eine fondsgebundene Rentenversicherung ist eine private Rentenversicherung, bei der Ihr Beitrag nicht klassisch garantiert verzinst, sondern in Investmentfonds oder ETFs angelegt wird. Im Fachjargon heißt sie Fondspolice. Sie bekommen also die Renditechancen des Kapitalmarkts, verpackt in einen Versicherungsmantel.

Dieser Mantel ist der eigentliche Unterschied zum reinen ETF-Sparplan im Depot. Er bringt drei Dinge mit, die ein Depot nicht hat: eine optionale lebenslange Rentengarantie, also eine garantierte monatliche Rente bis ans Lebensende, einen steuerlichen Rahmen mit Steuerstundung während der Ansparphase und auf Wunsch eine Todesfallleistung für die Hinterbliebenen. Sie sparen über Jahrzehnte an, und zum Rentenbeginn entscheiden Sie zwischen einer einmaligen Kapitalauszahlung oder einer lebenslangen Rente.

Bruttopolice oder Nettopolice: der entscheidende Unterschied

Beim Abschluss einer Fondspolice treffen Sie eine Weichenstellung, die viele gar nicht kennen. Es gibt zwei Bauarten, und der Unterschied liegt darin, wie die Beratung und Vermittlung bezahlt wird.

Bei der Bruttopolice sind die Abschluss- und Vertriebskosten direkt in den Vertrag eingerechnet. Der Vermittler erhält eine Courtage, die über die ersten Jahre aus Ihren Beiträgen beglichen wird. Sie zahlen also keine separate Rechnung, dafür sind die effektiven Kosten höher. Bei älteren Produkten lagen sie oft bei 1,5 bis 2,2 % im Jahr, moderne Bruttopolicen sind deutlich günstiger geworden.

Bei der Nettopolice ist keine Abschlussprovision eingebaut. Die laufenden Kosten sind dadurch niedrig, oft um die 0,5 % im Jahr. Im Gegenzug zahlen Sie dem Berater ein separates Honorar für die Beratung und Vermittlung. Das rechnet sich vor allem bei sehr großen Beiträgen und sehr langen Laufzeiten, weil dort die eingesparten laufenden Kosten das einmalige Honorar mit der Zeit klar übersteigen.

Es gibt also kein pauschal besser oder schlechter. Bei kleineren Beiträgen und kürzeren Laufzeiten kann die Bruttopolice unterm Strich günstiger sein, bei großen, langen Verträgen oft die Nettopolice. Das ist genau der Punkt, an dem sich ein unabhängiger Vergleich auszahlt.

Kosten sind der wichtigste Hebel für Ihre Rendite

Bei einer Fondspolice entscheidet vor allem eine Zahl über das Ergebnis: die laufenden Kosten pro Jahr. Über 30 Jahre Laufzeit macht ein Unterschied von 1 % pro Jahr am Ende viele Tausend Euro aus. Hier ein nüchterner Vergleich der drei gängigen Wege, jeweils mit Beispielkosten:

MerkmalBruttopolice (alt)NettopoliceETF-Depot
Laufende Kosten p.a.ca. 1,5 bis 2,2 %ca. 0,5 %ca. 0,2 bis 0,4 %
Abschlussprovisionim Vertrag eingerechnetkeine, separates Honorarkeine
Lebenslange Rentengarantiejajanein
Steuervorteil 12/62-Regeljajanein, voller Abgeltungssteuersatz
Steuerfreie Umschichtungjajanein, Verkauf löst Steuer aus
Flexibilität, Zugriffeingeschränkteingeschränktjederzeit voller Zugriff

Die Tabelle zeigt den Kern der Sache. Das ETF-Depot ist am günstigsten und am flexibelsten, hat aber keine der Versicherungsvorteile. Eine teure alte Bruttopolice kann ihren Steuervorteil durch hohe Kosten wieder zunichtemachen. Eine moderne, günstige Fondspolice wie etwa Baloise Best Invest mit 0,7 bis 0,8 % im Jahr liegt kostenseitig dagegen nah am Depot und behält gleichzeitig die Steuer- und Rentenvorteile. Genau diese Kombination macht eine gute Police konkurrenzfähig.

Der Steuervorteil: die 12/62-Regel

Der größte strukturelle Vorteil der Fondspolice gegenüber dem ETF-Depot liegt in der Steuer. Drei Mechanismen greifen ineinander:

  • Steuerfreie Umschichtung: Innerhalb der Police dürfen Sie Fonds wechseln, ohne dass dabei Steuer auf die Gewinne anfällt. Im Depot löst jeder Verkauf sofort Abgeltungssteuer aus.
  • Steuerstundung in der Ansparphase: Während der gesamten Laufzeit zahlen Sie keine Steuer auf die laufenden Erträge. Das volle Kapital arbeitet weiter für den Zinseszins.
  • Die 12/62-Regel bei Auszahlung: Lassen Sie sich das Kapital auf einen Schlag auszahlen und haben den Vertrag mindestens 12 Jahre gehalten und sind mindestens 62 Jahre alt, wird nur die Hälfte des Gewinns mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert. Bei einer lebenslangen Rente wird nur der kleine Ertragsanteil versteuert.

Diese Steuervorteile gibt es nur im Versicherungsmantel. Wer im Depot anlegt, zahlt auf die Gewinne den vollen Abgeltungssteuersatz von rund 26 %. Wie genau die 12/62-Regel rechnet, erkläre ich ausführlich im Beitrag zur privaten Rentenversicherung, der als Überblick zu allen Bausteinen dient.

Für wen sich eine Fondspolice eignet

Eine fondsgebundene Rentenversicherung ist kein Produkt für jeden. Sie passt gut, wenn diese Punkte auf Sie zutreffen:

  • Langer Anlagehorizont: 20 Jahre und mehr, damit sich der Steuervorteil und der Zinseszins voll entfalten und die Kosten sich über die Zeit relativieren.
  • Wunsch nach Automatik: Sie wollen einmal einrichten und dann ruhig sparen, ohne sich selbst um Auswahl und Steuer kümmern zu müssen.
  • Lebenslange Rente gewünscht: Ihnen ist die Sicherheit einer garantierten Rente bis ans Lebensende wichtiger als die letzten Zehntelprozent Rendite.
  • Steueroptimierung: Sie wollen den Steuervorteil im Alter nutzen, statt im Depot den vollen Abgeltungssteuersatz zu zahlen.

Ehrlich gesagt: Wenn Sie nur einen kurzen Horizont haben, maximale Flexibilität brauchen oder kompromisslos die niedrigsten Kosten wollen und bereit sind, selbst zu verwalten, dann ist ein schlankes ETF-Depot oft die bessere Wahl. Die Fondspolice spielt ihre Stärke erst über sehr lange Zeiträume und durch ihre Steuer- und Rentenvorteile aus. Wer ungern selbst anlegt und auf die lebenslange Rente Wert legt, fährt mit der Police meist besser.

Als Versicherungsvermittlerin nach § 34d GewO vergleiche ich für Sie den Markt unabhängig und rechne durch, ob in Ihrem Fall die Brutto- oder Nettopolice günstiger ist oder ob das Depot mehr Sinn macht. Auf Italienisch oder Deutsch, ganz wie Sie möchten.

Worauf Sie beim Abschluss achten sollten

  1. Effektivkosten prüfen: Lassen Sie sich die Effektivkosten pro Jahr zeigen, nicht nur die Fondskosten. Alles unter 1 % ist heute solide, alte Verträge mit 2 % gehören auf den Prüfstand.
  2. Fondsauswahl auf ETFs achten: Eine gute Police erlaubt breite, günstige Index-ETFs als Anlageoption. Das hält die Fondskosten niedrig und die Streuung hoch.
  3. Brutto gegen Netto durchrechnen: Bei großen, sehr langen Verträgen lohnt der Vergleich der Nettopolice mit Honorar gegen die Bruttopolice. Der Unterschied kann fünfstellig sein.
  4. Alte Police nicht blind kündigen: Ein bestehender Vertrag hat manchmal alte Garantien, die wertvoll sind. Erst prüfen lassen, dann entscheiden. Eine vorschnelle Kündigung kostet oft Geld.

Fondspolice oder Depot: was passt zu Ihnen?

Ich vergleiche Brutto, Netto und ETF-Depot unabhängig und rechne Ihren Fall durch. Erstberatung kostenfrei, auf Italienisch oder Deutsch.

Termin vereinbaren

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Bruttopolice und Nettopolice?

Bei der Bruttopolice sind die Abschlusskosten in den Vertrag eingerechnet und werden über eine Courtage aus den Beiträgen bezahlt, die laufenden Kosten sind höher. Bei der Nettopolice gibt es keine Abschlussprovision, die laufenden Kosten sind niedrig, dafür zahlen Sie dem Berater ein separates Honorar. Die Nettopolice lohnt sich vor allem bei sehr großen und langen Verträgen.

Lohnt sich eine fondsgebundene Rentenversicherung gegenüber einem ETF-Depot?

Das hängt von den Kosten und Ihren Zielen ab. Ein ETF-Depot ist günstiger und flexibler, hat aber keine Steuervorteile und keine lebenslange Rente. Eine moderne, günstige Fondspolice mit rund 0,7 % Kosten im Jahr ist wettbewerbsfähig, weil sie die Steuervorteile der 12/62-Regel und die garantierte Rente bietet. Eine teure Altpolice mit 2 % lohnt sich dagegen oft nicht.

Wie funktioniert der Steuervorteil der 12/62-Regel?

Wenn Sie sich das Kapital der Fondspolice auf einen Schlag auszahlen lassen, den Vertrag mindestens 12 Jahre gehalten haben und mindestens 62 Jahre alt sind, wird nur die Hälfte des Gewinns mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert. Bei einer lebenslangen Rente wird nur der niedrige Ertragsanteil versteuert. Im ETF-Depot zahlen Sie dagegen den vollen Abgeltungssteuersatz.

Welche laufenden Kosten hat eine gute Fondspolice?

Moderne und günstige Fondspolicen liegen bei etwa 0,7 bis 0,8 % laufenden Effektivkosten pro Jahr, eine Nettopolice teils um 0,5 %. Alte Bruttopolicen lagen oft bei 1,5 bis 2,2 % im Jahr. Da die Kosten über lange Laufzeiten den größten Renditehebel darstellen, sollten Sie immer die Effektivkosten vergleichen, nicht nur die Fondskosten.

Für wen eignet sich eine fondsgebundene Rentenversicherung?

Sie eignet sich für Menschen mit langem Anlagehorizont von 20 Jahren und mehr, die Wert auf eine lebenslange Rente, Automatik und Steueroptimierung legen und nicht selbst ein Depot verwalten möchten. Wer einen kurzen Horizont, maximale Flexibilität oder kompromisslos niedrigste Kosten will, fährt mit einem ETF-Depot oft besser.

Das könnte dich auch interessieren

Quellen und weiterführende Informationen