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PKV-Beitragserhöhung: warum der Brief nur die halbe Wahrheit erzählt

Rund 60 Prozent der Privatversicherten zahlen 2026 im Schnitt 13 Prozent mehr. Welche Rechte der Erhöhungsbrief verschweigt, was der Tarifwechsel nach Paragraf 204 VVG bringt und wann sich Wechseln wirklich lohnt.

Alessandra Massaro

Alessandra Massaro

Versicherungsvermittlerin nach § 34d GewO

Aktualisiert am 09. September 2026

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PKV-Beitragserhöhung: Beratung zu Tarifwechsel nach Paragraf 204 VVG und Alternativen

Kurze Antwort

Rund 60 Prozent der Privatversicherten zahlen seit Januar 2026 im Schnitt 13 Prozent mehr. Ob Sie das akzeptieren müssen, steht aber nicht im Erhöhungsbrief. Dort fehlen drei Dinge: welche gleichartigen Tarife Ihr Versicherer sonst noch führt, was Ihre Alterungsrückstellungen bei jedem Weg wert sind und wie lange Ihre Frist für die Sonderkündigung noch läuft. Diese drei Punkte entscheiden, ob Sie zahlen, intern wechseln oder gehen.

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Warum die Beiträge in Sprüngen steigen, nicht jedes Jahr ein bisschen

Zum 1. Januar 2026 sind die Beiträge in der privaten Krankenversicherung für rund 60 Prozent der Versicherten gestiegen, im Schnitt um 13 Prozent. Schon zum Jahr 2025 gab es einen ähnlich grossen Sprung. Zwei harte Jahre hintereinander, und viele fragen sich: Darf mein Versicherer das einfach?

Er darf nicht nur, er muss sogar. Ein PKV-Versicherer darf den Beitrag nämlich nicht jedes Jahr ein bisschen anheben. Er darf erst anpassen, wenn die echten Ausgaben für Behandlungen deutlich von der Kalkulation abweichen, meist um mehr als zehn Prozent. Ein unabhängiger Treuhänder muss zustimmen. Steigen die Kosten im Gesundheitswesen mehrere Jahre in Folge, staut sich das auf und kommt dann auf einen Schlag. Das ist der Grund, warum Ihr Brief nach Schock aussieht, obwohl dahinter normale Kostensteigerung steckt.

Die Zahl, die dieses Bild geraderückt: Zwischen 2006 und 2026 sind die PKV-Beiträge je Versicherten um durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr gestiegen, die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung um 3,9 Prozent. Auf zwanzig Jahre gerechnet steigt die GKV also schneller, nur eben leise: über den Zusatzbeitrag, der 2026 im Schnitt bei 2,9 Prozent liegt. Die PKV steigt in Sprüngen, und der Sprung landet als Brief in Ihrem Briefkasten.

Der Brief ist da: Ihre vier Wege, ehrlich sortiert

Auf die Erhöhung gibt es genau vier Antworten. Der Brief nennt meist nur eine davon, nämlich weiterzahlen. Hier sind alle vier, mit dem, was jeweils auf dem Spiel steht:

WegGesundheitsprüfungAlterungsrückstellungenFür wen sinnvoll
Weiterzahlenkeinebleiben voll erhaltenwenn der Tarif geprüft und gut ist
Tarifwechsel intern (Paragraf 204 VVG)nur für Mehrleistungenbleiben voll erhaltenfast jeder ab 10 Jahren Vertrag
Versicherer wechselnkomplett neugehen grösstenteils verlorenjung, gesund, Vertrag erst wenige Jahre alt
Zurück in die GKVkeineverfallennur unter der Versicherungspflichtgrenze und praktisch nur unter 55

Alterungsrückstellungen sind das Geld, das Sie in jungen Jahren zusätzlich eingezahlt haben, damit der Beitrag im Alter bezahlbar bleibt. Nach zehn oder zwanzig Jahren Vertrag ist das ein fünfstelliger Betrag. Genau deshalb ist die Reihenfolge oben kein Zufall: Erst wird intern geprüft, dann extern.

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Paragraf 204 VVG: der Weg, den kein Versicherer bewirbt

Ihr gutes Recht steht im Gesetz: Sie dürfen jederzeit in jeden anderen Tarif Ihres Versicherers mit gleichartigem Schutz wechseln. Ihre Alterungsrückstellungen nehmen Sie vollständig mit. Eine neue Gesundheitsprüfung gibt es nur, wenn der neue Tarif mehr leistet als der alte. Und selbst dann können Sie auf die Mehrleistung verzichten und ohne Prüfung wechseln.

Warum hören Sie davon so wenig? Weil Versicherer über die Jahrzehnte immer wieder neue Tarifgenerationen auflegen. Die alten Tarife bleiben offen, werden aber nicht mehr aktiv verkauft. Wer dort versichert ist, sitzt oft in einer kleinen, alternden Gruppe, deren Beiträge besonders schnell steigen. Ein Wechsel in eine jüngere Tarifwelt desselben Versicherers spart deshalb häufig einen dreistelligen Betrag im Monat, bei praktisch gleichem Schutz.

Der Haken: Die Tarifliste rückt der Versicherer nicht von selbst heraus, und nicht jeder billigere Tarif ist ein guter Tausch. Höhere Selbstbeteiligung, gestrichene Bausteine oder schlechtere Bedingungen im Pflegefall verstecken sich im Kleingedruckten. Genau das prüft eine unabhängige Beratung, bevor irgendetwas unterschrieben wird. Vorsicht auch bei Firmen, die den Tarifwechsel gegen ein Honorar von mehreren Monatsersparnissen anbieten: Das Recht aus Paragraf 204 gehört Ihnen, es kostet nichts.

Kündigen und woanders hin: wann das wirklich aufgeht

Der Erhöhungsbrief öffnet ein Zeitfenster: Sie dürfen ausserordentlich kündigen, und zwar innerhalb von zwei Monaten nach der Mitteilung, wirksam zu dem Zeitpunkt, an dem die Erhöhung greift. Das steht in Paragraf 205 VVG. Klingt nach Freiheit, hat aber zwei Fussangeln.

Erstens: Ein neuer privater Versicherer prüft Ihre Gesundheit komplett neu, und Sie starten mit Ihrem heutigen Alter. Was Sie an Alterungsrückstellungen aufgebaut haben, bleibt beim alten Versicherer fast vollständig zurück. Bei Verträgen ab 2009 wird nur ein Teil übertragen, der sogenannte Übertragungswert im Umfang des Basistarifs. Je älter der Vertrag, desto teurer ist der Abschied. Ab Mitte 40 rechnet sich ein Anbieterwechsel nur noch in Ausnahmefällen.

Zweitens: Der Weg zurück in die gesetzliche Kasse ist kein Wahlrecht, sondern an Bedingungen geknüpft. Sie müssen wieder versicherungspflichtig werden, zum Beispiel mit einem Angestelltengehalt unter der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 Euro im Jahr 2026. Und wer 55 oder älter ist, kommt praktisch gar nicht mehr zurück. Wer es schafft und später wieder über der Grenze verdient, bleibt nur als freiwilliges Mitglied in der Kasse. Was die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung kostet, haben wir separat durchgerechnet. Auch eine Kündigung braucht übrigens den Nachweis, dass eine neue Versicherung besteht: ohne Anschlussschutz keine wirksame Kündigung. Wer hier in der falschen Reihenfolge handelt, steht im schlimmsten Fall ohne Schutz da.

Zu kompliziert? Ich erkläre es Ihnen in Ruhe, Schritt für Schritt. Ganz ohne Fachchinesisch.

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Die drei Fehler, die im Herbst am meisten kosten

Jedes Jahr im Oktober und November verschicken die Versicherer die Briefe für das neue Jahr. Und jedes Jahr passieren dieselben drei Fehler:

  • Aus Wut kündigen. Erst kündigen, dann nach einem neuen Tarif suchen, ist die teuerste Reihenfolge. Richtig ist: erst die interne Tarifliste prüfen, dann Angebote einholen, dann entscheiden. Die Frist von zwei Monaten reicht dafür, wenn man sofort anfängt.
  • Blind über ein Vergleichsportal wechseln. Portale zeigen den Neukundenbeitrag, nicht den Verlust Ihrer Alterungsrückstellungen und nicht die neue Gesundheitsprüfung. Der billigste Tarif im Portal kann Sie auf zwanzig Jahre gerechnet mehr kosten als Ihr heutiger.
  • Jahrelang nichts tun. Wer seit über zehn Jahren im selben Tarif sitzt und noch nie nach Paragraf 204 geprüft hat, zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu viel. Jeder Monat im falschen Tarif ist Geld, das nicht wiederkommt.

Und die vierte Hoffnung, die selten trägt: Klagen gegen formal fehlerhafte Erhöhungen. Es gab dazu Urteile bis zum Bundesgerichtshof, und in Einzelfällen gab es Geld zurück. Aber der Versicherer darf eine formal missglückte Erhöhung mit korrekter Begründung nachholen. Als Strategie gegen steigende Beiträge taugt der Rechtsweg deshalb nicht, als Ergänzung in klaren Fällen schon.

Warum der richtige Moment jetzt ist, nicht beim nächsten Brief

Wenn Ihr Brief vom Januar 2026 noch ungeprüft in der Schublade liegt, ist die Sonderkündigungsfrist dafür zwar vorbei, das Tarifwechselrecht aus Paragraf 204 aber nicht: Es gilt jederzeit. Und der nächste Brief kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit im Oktober oder November, denn die Kostensteigerung im Gesundheitswesen macht keine Pause.

Wer die Prüfung jetzt anstösst, hat die interne Tarifliste, die eigenen Zahlen und eine Entscheidung auf dem Tisch, bevor der neue Brief kommt. Dann sind die zwei Monate Frist keine Hektik, sondern ein Fenster, das Sie vorbereitet nutzen. Die Prüfung selbst kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Ein weiteres Jahr im falschen Tarif kostet dagegen jeden Monat.

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Erhöhungsbrief prüfen lassen, bevor der nächste kommt

Die Prüfung Ihres Tarifs und der gleichartigen Alternativen nach Paragraf 204 VVG kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Beratung auf Deutsch oder Italienisch, ohne Verkaufsdruck und ohne Honorar.

Häufige Fragen

Wie stark sind die PKV-Beiträge 2026 gestiegen?

Nach Angaben des PKV-Verbands sind die Beiträge zum 1. Januar 2026 für rund 60 Prozent der Privatversicherten gestiegen, im Durchschnitt um 13 Prozent. Einzelne Tarife liegen deutlich darüber. Auf lange Sicht relativiert sich das Bild: Zwischen 2006 und 2026 stieg die PKV um durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr, die GKV um 3,9 Prozent. Die PKV steigt in Sprüngen, die GKV leise über den Zusatzbeitrag.

Darf mein Versicherer den Beitrag einfach erhöhen?

Nicht einfach so. Eine Beitragsanpassung ist nur erlaubt, wenn die tatsächlichen Ausgaben deutlich von der Kalkulation abweichen, meist um mehr als zehn Prozent, und ein unabhängiger Treuhänder zustimmen muss. Genau diese Regel führt dazu, dass Erhöhungen sich stauen und dann auf einen Schlag kommen. Formal fehlerhafte Erhöhungen können angreifbar sein, dürfen aber mit korrekter Begründung nachgeholt werden.

Was bringt ein Tarifwechsel nach Paragraf 204 VVG wirklich?

Sie wechseln in einen anderen Tarif desselben Versicherers mit gleichartigem Schutz, nehmen alle Alterungsrückstellungen mit und brauchen keine neue Gesundheitsprüfung, ausser für echte Mehrleistungen. Wer lange in einer alten Tarifgeneration versichert ist, spart damit häufig einen dreistelligen Betrag im Monat. Wichtig ist der Blick ins Kleingedruckte des Zieltarifs: Selbstbehalt, Leistungsumfang und Bedingungen müssen zum eigenen Leben passen.

Kann ich nach der Beitragserhöhung zurück in die GKV?

Nur wenn Sie wieder versicherungspflichtig werden, zum Beispiel als Angestellter mit einem Gehalt unter der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 Euro im Jahr 2026, oder durch Arbeitslosigkeit. Ab 55 Jahren ist die Rückkehr praktisch ausgeschlossen. Die Beitragserhöhung selbst gibt Ihnen nur ein Sonderkündigungsrecht in der PKV, kein Eintrittsrecht in die GKV. Wer diesen Weg erwägt, sollte ihn vor dem 55. Geburtstag rechnen, nicht danach.

Soll ich wegen der Erhöhung den Versicherer wechseln?

In den meisten Fällen ist der interne Tarifwechsel der bessere erste Schritt, weil die Alterungsrückstellungen erhalten bleiben und keine volle Gesundheitsprüfung ansteht. Ein Anbieterwechsel lohnt sich fast nur, wenn Sie jung sind, gesund sind und der Vertrag erst wenige Jahre läuft. Ab Mitte 40 verliert der Wechsel durch das höhere Eintrittsalter und die zurückbleibenden Rückstellungen fast immer den Vergleich.

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Quellen und weiterführende Informationen