Die 12/62-Regel: So spart die Fondspolice Steuern gegenüber dem ETF-Depot
Die 12/62-Regel: Nur die Hälfte der Gewinne wird besteuert, wenn die Fondspolice 12 Jahre läuft und ab 62 ausgezahlt wird. Vergleich mit dem ETF-Depot mit Beispielrechnung.

Alessandra Massaro
Versicherungsvermittlerin nach § 34d GewO
Aktualisiert am 01. Juni 2026
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Die 12/62-Regel ist der Steuervorteil der fondsgebundenen Rentenversicherung. Läuft der Vertrag mindestens 12 Jahre und erfolgt die Kapitalauszahlung nach dem 62. Lebensjahr, wird nur die Hälfte der Gewinne mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Beim ETF-Depot fallen dagegen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli auf jeden Gewinn an. Bei hohen Erträgen kann die Fondspolice so deutlich weniger Steuer kosten.
Was die 12/62-Regel bedeutet
Die 12/62-Regel, im Steuerrecht auch Halbeinkünfteverfahren genannt, gilt für die fondsgebundene und private Rentenversicherung sowie für die Kapitallebensversicherung. Sie regelt, wie die Gewinne aus dem Vertrag besteuert werden, wenn Sie sich das angesparte Kapital auf einen Schlag auszahlen lassen.
Der Kern in einem Satz: Sind zwei Bedingungen erfüllt, dann wird nicht der ganze Gewinn besteuert, sondern nur die Hälfte davon, und das auch noch zum persönlichen Steuersatz statt zur pauschalen Abgeltungsteuer. Daher der Name 12/62: 12 Jahre Mindestlaufzeit und Auszahlung ab 62.
Als Versicherungsmaklerin nach §34d GewO erlebe ich oft, dass dieser Vorteil unterschätzt wird. Er entscheidet bei langfristiger Altersvorsorge mit, ob am Ende die Police oder das reine ETF-Depot mehr netto übrig lässt.
Die zwei Bedingungen im Detail
Damit nur die Hälfte des Gewinns versteuert werden muss, müssen beide Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sein:
- Mindestlaufzeit 12 Jahre: Der Vertrag muss mindestens zwölf Jahre bestehen, bevor er ausgezahlt wird.
- Auszahlung ab 62: Für Verträge ab 2012 muss die versicherte Person bei der Auszahlung mindestens 62 Jahre alt sein. Bei älteren Verträgen aus den Jahren 2005 bis 2011 reicht das Alter 60.
- Einmalige Kapitalauszahlung: Die Regel greift bei der Auszahlung als einmalige Summe (Kapitalauszahlung).
Versteuert wird dann der Ertrag, also die Auszahlung minus die Summe der eingezahlten Beiträge. Von diesem Ertrag fließt nur die Hälfte in die Steuererklärung ein und wird mit Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz belegt. Wer im Ruhestand einen moderaten Steuersatz hat, profitiert hier besonders.
Fondspolice gegen ETF-Depot: die Steuerlogik
Beim reinen ETF-Depot läuft die Besteuerung anders. Auf die Gewinne fällt die Abgeltungsteuer von 25 Prozent an, dazu der Solidaritätszuschlag und je nach Konfession die Kirchensteuer. Es gibt allerdings zwei Entlastungen, die man fair gegenrechnen muss:
- Teilfreistellung 30 Prozent: Bei Aktienfonds bleiben 30 Prozent der Gewinne steuerfrei.
- Sparerpauschbetrag: 1.000 € pro Jahr und Person bleiben grundsätzlich steuerfrei.
Bei der Fondspolice mit 12/62-Regel zählt dagegen nur die halbe Gewinnsumme zum persönlichen Steuersatz. Hinzu kommt ein zweiter, oft übersehener Vorteil: Innerhalb des Versicherungsmantels können Fonds steuerfrei umgeschichtet werden. Verkaufen Sie im Depot einen Fonds und kaufen einen anderen, fällt sofort Abgeltungsteuer an. In der Police passiert beim Umschichten steuerlich nichts, das Kapital arbeitet ungestört weiter.
Beispielrechnung: 100.000 € Gewinn
Nehmen wir an, ein Sparer hat über die Jahre 100.000 € Gewinn aufgebaut und liegt im Ruhestand bei einem persönlichen Steuersatz von 30 Prozent. So sieht der Vergleich vereinfacht aus:
| Posten | ETF-Depot | Fondspolice 12/62 |
|---|---|---|
| Gewinn | 100.000 € | 100.000 € |
| Steuerpflichtiger Anteil | 70.000 € (nach 30 % Teilfreistellung) | 50.000 € (halber Ertrag) |
| Steuersatz | ca. 26,375 % (Abgeltung + Soli) | 30 % persönlich |
| Steuer ungefähr | rund 18.500 € | rund 15.000 € |
| Netto ungefähr | rund 81.500 € | rund 85.000 € |
Die Zahlen sind gerundet und lassen den Sparerpauschbetrag sowie individuelle Faktoren außen vor, sie zeigen aber das Prinzip: Je höher der Gewinn und je moderater der Steuersatz im Ruhestand, desto stärker spielt die 12/62-Regel ihren Vorteil aus. Bei sehr hohen persönlichen Steuersätzen kann sich das Bild auch umkehren, deshalb lohnt die individuelle Rechnung.
Noch günstiger: Auszahlung als lebenslange Rente
Wer sich das Kapital nicht auf einen Schlag, sondern als lebenslange Rente auszahlen lässt, wird steuerlich oft noch besser gestellt. Dann greift nicht die 12/62-Regel, sondern die Besteuerung mit dem Ertragsanteil.
Versteuert wird nur ein kleiner, gesetzlich festgelegter Anteil jeder Rente, der vom Alter beim Rentenbeginn abhängt. Wer mit 67 in die Rente startet, versteuert lediglich rund 17 Prozent der monatlichen Auszahlung. Der Rest bleibt steuerfrei. Über viele Rentenjahre kann das die günstigste Variante sein, vor allem für Menschen, die ohnehin mit einem ruhigen Einkommen im Ruhestand planen.
Welche Auszahlungsform am Ende besser passt, hängt von Ihrer Lebenssituation ab: Brauchen Sie einen großen Betrag auf einmal oder eine planbare monatliche Sicherheit? Genau diese Entscheidung besprechen wir in der Beratung, auf Italienisch und Deutsch.
Ehrlich abgewogen: Wann gewinnt was?
Die Fondspolice ist kein Selbstläufer und das ETF-Depot kein Auslaufmodell. Beide haben ihre Stärken, und meine Aufgabe als Maklerin ist es, ehrlich zu zeigen, wann welches Modell vorne liegt.
- Das ETF-Depot punktet bei den Kosten. Ein günstiges Depot kostet kaum laufende Gebühren. Die Fondspolice hat durch den Versicherungsmantel höhere Kosten, die über die Jahre an der Rendite zehren.
- Die Fondspolice punktet bei Steuer und Flexibilität im Mantel. Die 12/62-Regel, das steuerfreie Umschichten und die Option auf eine lebenslange Rente sind echte Vorteile, die das Depot nicht bietet.
- Die Laufzeit entscheidet mit. Je länger der Anlagehorizont und je höher die erwarteten Gewinne, desto eher gleicht der Steuervorteil die höheren Kosten der Police aus und übertrifft sie.
Es gibt also keine pauschale Antwort. Bei kurzer Laufzeit und niedrigen Beträgen liegt das günstige Depot oft vorne, bei langfristiger Altersvorsorge mit hohen erwarteten Gewinnen kann die Fondspolice nach Steuern mehr netto bringen. Wer beides durchrechnen lässt, trifft eine fundierte Entscheidung statt einer aus dem Bauch.
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