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Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige: Warum Freiberufler besonders gefährdet sind

Selbstständige und Freiberufler haben keine gesetzliche BU-Absicherung. Warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung unverzichtbar ist und worauf Sie achten müssen.

Alessandra Massaro

Alessandra Massaro

Versicherungsvermittlerin nach § 34d GewO

Aktualisiert am 12. Juni 2026

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Kurze Antwort

Selbstständige und Freiberufler sind bei Berufsunfähigkeit auf sich allein gestellt, weil sie meist nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Eine private BU-Versicherung ist daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um das Einkommen zu sichern.

Was Berufsunfähigkeit wirklich bedeutet

Wer selbstständig arbeitet, genießt viele Freiheiten. Aber diese Freiheit hat einen Preis: Im Falle einer Berufsunfähigkeit greift der Staat kaum. Kein Krankengeld nach sechs Wochen, keine gesetzliche Erwerbsminderungsrente in nennenswerter Höhe, kein Netz. Für Freiberufler und Gewerbetreibende kann das bedeuten, dass das Einkommen von heute auf morgen wegfällt. Und trotzdem bleibt ein Großteil ohne ausreichenden Schutz.

Berufsunfähigkeit liegt versicherungsrechtlich vor, wenn jemand voraussichtlich dauerhaft nicht mehr in der Lage ist, seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent auszuüben. Die Ursachen sind vielfältig: Rückenprobleme, psychische Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen, Unfälle, aber auch schwere Erkrankungen wie Krebs. Es trifft also nicht nur körperlich schwer arbeitende Menschen, sondern genauso Grafiker, Berater oder Ärzte.

Das Tückische ist: Berufsunfähigkeit tritt oft schleichend ein. Viele Betroffene merken erst nach Monaten, dass sie ihren Beruf nicht mehr vollständig ausüben können. Wer zu diesem Zeitpunkt keine Absicherung hat, steht vor einem ernsthaften finanziellen Problem. Die laufenden Kosten, ob Miete, Leasing oder Geschäftsausgaben, hören nicht auf.

Die besondere Risikolage für Selbstständige und Freiberufler

Angestellte sind bei Berufsunfähigkeit zumindest teilweise durch die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert. Sie erhalten unter bestimmten Bedingungen eine Erwerbsminderungsrente, die zwar oft niedrig ausfällt, aber zumindest eine Grundlage bietet. Selbstständige hingegen zahlen in den meisten Fällen gar nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das heißt: kein Anspruch.

Freiberufler, die einem berufsständischen Versorgungswerk angehören, wie Rechtsanwälte oder Ärzte, haben dort oft einen Berufsunfähigkeitsschutz eingebaut. Aber dieser reicht selten aus, um den tatsächlichen Lebensstandard zu halten. Und Gewerbetreibende ohne Kammerzugehörigkeit? Die stehen komplett ohne gesetzliches Netz da. Das ist keine Übertreibung, das ist die schlichte Rechtslage.

Hinzu kommt: Selbstständige haben oft keine Rücklagen in dem Maß, das eine längere Berufsunfähigkeit überbrücken würde. Betriebskosten laufen weiter, Mitarbeiter müssen bezahlt werden, und gleichzeitig fällt das eigene Einkommen weg. Dieser Doppeldruck macht die Situation besonders gefährlich.

Wie eine private BU-Versicherung funktioniert

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn der Versicherte berufsunfähig wird. Die Höhe dieser Rente wird beim Abschluss vereinbart, und sie sollte so gewählt werden, dass sie den tatsächlichen Bedarf deckt. Als Faustregel gilt: mindestens 60 bis 70 Prozent des Nettoeinkommens absichern. Für Selbstständige mit schwankendem Einkommen ist die Berechnung etwas komplexer.

Wichtig ist die sogenannte abstrakte Verweisung. Viele ältere oder günstigere Tarife erlauben es dem Versicherer, den Versicherten auf einen anderen Beruf zu verweisen, den er theoretisch noch ausüben könnte. Ein guter BU-Vertrag verzichtet vollständig auf diese Klausel, das ist ein K.O.-Kriterium beim Tarifvergleich. Wer als Zahnarzt berufsunfähig wird, sollte nicht auf eine Tätigkeit als Callcenter-Mitarbeiter verwiesen werden können.

Für Selbstständige gibt es zusätzlich interessante Gestaltungsmöglichkeiten: Einige Tarife erlauben eine Erhöhung der versicherten Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung, was bei steigendem Einkommen sehr hilfreich ist. Auch eine Kombination mit einer Altersvorsorge, zum Beispiel einer Rürup-Rente, ist steuerlich oft sinnvoll, weil die Beiträge als Sonderausgaben geltend gemacht werden können.

Worauf Selbstständige beim Abschluss besonders achten sollten

Die Gesundheitsfragen sind der sensibelste Teil des Antragsprozesses. Wer hier unvollständig oder unrichtig antwortet, riskiert im Leistungsfall die Vertragsanfechtung wegen arglistiger Täuschung. Das bedeutet im schlimmsten Fall: keine Rente, obwohl man jahrelang Beiträge gezahlt hat. Eine sorgfältige, vollständige Beantwortung aller Fragen ist deshalb absolut entscheidend.

Für Selbstständige mit Vorerkrankungen lohnt es sich, vorab anonyme Risikovoranfragen bei mehreren Versicherern zu stellen. So erfährt man, welcher Anbieter zu welchen Konditionen bereit ist, den Vertrag anzunehmen, ohne dass eine Ablehnung in der Wagnisdatei der Versicherer landet. Das ist ein konkreter Vorteil unabhängiger Beratung gegenüber dem Direktabschluss.

Die Laufzeit sollte bis zum Renteneintrittsalter vereinbart werden, also in der Regel bis 67 Jahre. Kürzere Laufzeiten senken zwar den Beitrag, aber gerade in den Jahren zwischen 60 und 67 ist das Risiko einer Berufsunfähigkeit besonders hoch. Wer hier spart, spart am falschen Ende.

Außerdem: Der Beruf zum Zeitpunkt des Abschlusses bestimmt die Einstufung und damit den Beitrag. Wer noch als Angestellter gilt und plant, sich in Kürze selbstständig zu machen, sollte die Versicherung noch in der Angestelltenzeit abschließen. Viele Berufsgruppen werden als Selbstständige schlechter eingestuft und zahlen höhere Prämien.

  • Kein Verzicht auf abstrakte Verweisung: Tarif ablehnen
  • Laufzeit bis 67 Jahre wählen
  • BU-Rente mindestens 60 Prozent des Nettoeinkommens
  • Nachversicherungsgarantie ohne Gesundheitsprüfung prüfen
  • Anonyme Risikovoranfrage bei Vorerkrankungen nutzen
  • Antrag nur mit vollständigen Gesundheitsangaben stellen

Alternativen und Ergänzungen zur klassischen BU

Was ist, wenn jemand aufgrund von Vorerkrankungen keine klassische BU-Versicherung bekommt oder sich die Prämie nicht leisten kann? Es gibt Alternativen, auch wenn sie nicht gleichwertig sind. Dazu gehören die Grundfähigkeitsversicherung, die bei Verlust bestimmter körperlicher Fähigkeiten zahlt, und die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die erst greift, wenn man gar keine Erwerbstätigkeit mehr ausüben kann. Die Hürde ist hier deutlich höher.

Für bestimmte Berufsgruppen, zum Beispiel Handwerker mit körperlich anspruchsvoller Tätigkeit, kann eine Dread-Disease-Versicherung sinnvoll sein. Diese zahlt eine einmalige Summe bei schweren Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs. Sie ersetzt keine BU-Versicherung, kann aber eine Lücke schließen, wenn der Gesundheitszustand den Abschluss einer BU nicht erlaubt.

Noch eine ehrliche Anmerkung: Manche Anbieter verkaufen Kombiprodukte, die BU-Schutz mit einer kapitalbildenden Lebensversicherung verbinden. Das klingt praktisch, ist aber oft teurer und weniger flexibel als getrennte Verträge. In der Regel ist es sinnvoller, BU-Schutz und Altersvorsorge sauber zu trennen und beides gezielt zu optimieren.

Steuerliche Aspekte für Selbstständige

Selbstständige können BU-Beiträge unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich absetzen. Wer seine BU-Versicherung als Zusatzbaustein einer Rürup-Rente (Basisrente) abschließt, kann die Beiträge als Sonderausgaben geltend machen. Das ist besonders für gut verdienende Selbstständige mit hohem Steuersatz interessant, weil der Steuervorteil die effektiven Kosten des Schutzes spürbar reduziert.

Allerdings gilt hier: Die BU-Rente wird im Leistungsfall dann nachgelagert besteuert. Ob das unterm Strich vorteilhaft ist, hängt vom individuellen Steuersatz im Leistungsfall ab. Das lässt sich nicht pauschal sagen und sollte im Einzelfall durchgerechnet werden. Eine selbstständige BU-Versicherung ohne Rürup-Verbindung ist steuerlich weniger attraktiv, dafür aber flexibler in der Gestaltung.

Fazit

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige ist keine Versicherung unter vielen. Sie ist das wichtigste Instrument, um die eigene Existenz zu schützen, wenn das Einkommen wegbricht. Je früher man sich damit beschäftigt, desto günstiger und unkomplizierter ist der Abschluss. Ich berate Sie gerne auf Deutsch oder Italienisch, ehrlich und unabhängig, damit Sie den Schutz bekommen, der wirklich zu Ihrer Situation passt. Melden Sie sich einfach über massaroversicherungen.com.

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Häufige Fragen

Brauche ich als Selbstständiger wirklich eine BU-Versicherung, wenn ich einem Versorgungswerk angehöre?

Versorgungswerke bieten oft einen BU-Schutz, aber die Leistungen reichen selten aus, um den Lebensstandard zu halten. Es lohnt sich, die genauen Bedingungen und Leistungshöhen des eigenen Versorgungswerks zu prüfen und gegebenenfalls privat zu ergänzen.

Was ist der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit?

Berufsunfähigkeit bedeutet, den zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr zu 50 Prozent ausüben zu können. Erwerbsunfähigkeit liegt erst vor, wenn man überhaupt keine Erwerbstätigkeit mehr ausüben kann. Die Hürde für Leistungen aus einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist damit deutlich höher.

Wie hoch sollte die BU-Rente für Selbstständige sein?

Als Orientierung gilt: mindestens 60 bis 70 Prozent des Nettoeinkommens. Selbstständige sollten dabei auch laufende Betriebskosten berücksichtigen. Bei schwankendem Einkommen empfiehlt sich eine Beratung, um die richtige Absicherungshöhe zu ermitteln.

Kann ich eine BU-Versicherung noch abschließen, wenn ich bereits Vorerkrankungen habe?

Ja, aber die Konditionen hängen stark von der Art der Erkrankung ab. Anonyme Risikovoranfragen bei mehreren Versicherern helfen, die beste Option zu finden, ohne dass Ablehnungen registriert werden. Manchmal sind Ausschlüsse oder Risikozuschläge möglich.

Was bedeutet abstrakte Verweisung und warum ist sie so wichtig?

Abstrakte Verweisung erlaubt dem Versicherer, Leistungen zu verweigern, wenn der Versicherte theoretisch noch irgendeinen anderen Beruf ausüben könnte. Ein guter BU-Vertrag verzichtet vollständig darauf. Das ist eines der wichtigsten Kriterien beim Tarifvergleich.

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