Kündigung mit Schwerbehinderung im Lager: ohne BEM und ohne leidensgerechten Arbeitsplatz wird es für den Arbeitgeber eng
kostet der hier durchgerechnete Streit im Verlustfall: beide Anwälte und das Gericht bei 8.400 Euro Streitwert dieser Konstellation, nach den Tabellen von RVG und GKG (Stand 1. Juni 2025). Zuständig wäre der Baustein Berufs-Rechtsschutz (Arbeitsrecht).
Kündigung Schwerbehinderung Lagerist: die Fakten auf einen Blick
| Streitwert dieser Konstellation | 8.400,00 Euro |
| Anwalt außergerichtlich (1,3 Geschäftsgebühr, mit MwSt.) | 940,40 Euro |
| Eigener Anwalt, Klage 1. Instanz (1,3 + 1,2) | 1.786,49 Euro |
| Gerichtskosten 1. Instanz (3,0 Gebühren GKG) | 781,50 Euro |
| Verlustrisiko gesamt: beide Anwälte plus Gericht | 4.354,48 Euro |
| Zuständiger Baustein | Berufs-Rechtsschutz (Arbeitsrecht) |
Zwischen dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht und dem Berufsalltag für Lageristen liegt eine sehr konkrete Schnittmenge, und um die geht es hier: der typische Verlauf, die Kosten nach RVG und GKG und die Rolle der Rechtsschutzversicherung in genau dieser Lage.
Was in dieser Kombination immer wieder passiert: Ein Lagerist, 54, seit 16 Jahren im Betrieb, kommissioniert Gebinde bis 20 Kilo. Nach zwei Bandscheibenvorfällen ist der Grad der Behinderung auf 50 festgestellt, die Ausfallzeiten häufen sich. Nach dem dritten langen Krankheitsblock beantragt der Arbeitgeber beim Integrationsamt die Zustimmung zur krankheitsbedingten Kündigung. Was in 16 Jahren nie stattgefunden hat: ein betriebliches Eingliederungsmanagement, obwohl es nach sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit im Jahr Pflicht des Arbeitgebers ist (Paragraf 167 Absatz 2 SGB IX). Dass im selben Lager ein Leitstand und der Wareneingang mit Scanner existieren, steht in keinem Antrag.
Nun zur Rechnung. Als Streitwert setzt diese Seite 8.400 Euro an: drei Bruttomonatsverdienste eines Lageristen von rund 2.800 Euro, der übliche Wert der Kündigungsschutzklage nach Paragraf 42 GKG. An diesem Wert hängen sämtliche Gebühren, denn das deutsche Kostenrecht kennt Tabellen, keine Stundensätze.
Die Beträge dieser Konstellation: Wer den Anwalt nur schreiben und verhandeln lässt, zahlt 940,40 Euro. Wer klagt, zahlt ihm 1.786,49 Euro und dem Gericht vorab 781,50 Euro.
Alles zusammengerechnet steht im Verlustfall 4.354,48 Euro auf dem Zettel. Wer diese Summe nicht übrig hat, braucht entweder sehr gute Nerven oder eine Police, die vor dem Konflikt abgeschlossen wurde.
Der Gerichtsweg läuft in diesem Fall über die Arbeitsgerichtsbarkeit, und die hat eine Kostenfalle eingebaut: Nach Paragraf 12a ArbGG trägt in der ersten Instanz jede Partei die eigenen Anwaltskosten, das Urteil ändert daran nichts. Ohne Rechtsschutz zahlt Lagerist den Anwalt also aus eigener Tasche, selbst nach einem vollen Sieg.
Was über Gewinnen und Verlieren hier wirklich entscheidet: Das Integrationsamt fragt zuerst nach dem leidensgerechten Arbeitsplatz: Kann der Mann an den Leitstand, in den Wareneingang, auf den Stapler, statt zu heben? Das fehlende Eingliederungsmanagement macht die Kündigung nicht automatisch unwirksam, aber es dreht die Beweislast: Der Arbeitgeber muss nun darlegen, dass auch ein BEM keine Alternative zur Kündigung gefunden hätte, und genau das gelingt selten, wenn umsetzbare Arbeitsplätze im Betrieb existieren. Ein zweiter Hebel ist die Schwerbehindertenvertretung: Kündigt der Arbeitgeber, ohne sie vorher anzuhören, ist die Kündigung nach Paragraf 178 Absatz 2 SGB IX unwirksam, unabhängig von allem anderen.
Vor der Deckung steht das Timing: In der Regel 3 Monate Wartezeit, und keine Deckung für Konflikte, deren Wurzel vor dem Vertragsbeginn liegt. Einzelne Bausteine wie der Verkehrs-Rechtsschutz kommen je nach Tarif ohne Wartezeit aus. Die Grundregel bleibt trotzdem: Die Police gehört ins Haus, bevor der Ärger einzieht.
Dem gegenüber steht der Preis der Absicherung: Kombi-Tarife mit Privat-, Berufs- und Verkehrs-Rechtsschutz kosten am Markt 2026 grob 200 bis 350 Euro jährlich, mit Selbstbeteiligungen zwischen 150 und 300 Euro. Ob der Baustein Berufs-Rechtsschutz (Arbeitsrecht) im Grundpaket steckt oder Aufpreis kostet, unterscheidet die Anbieter.
Für den akuten Fall die Reihenfolge, die sich bewährt hat: Unterlagen und Beweise sichern, Fristen schriftlich festhalten, Deckungsanfrage über den Baustein Berufs-Rechtsschutz (Arbeitsrecht) stellen, anwaltliche Ersteinschätzung einholen. In dieser Reihenfolge, und nichts unterschreiben, bevor die Einschätzung da ist.
Ein Hinweis, der genau hier den Unterschied macht: Umsetzungsvorschläge nicht mündlich in den Raum stellen, sondern schriftlich machen und dem Integrationsamt zuleiten: konkrete Arbeitsplätze benennen, Leitstand, Wareneingang, Staplertätigkeit, gern mit Hinweis auf die Förderung technischer Arbeitshilfen durch das Amt selbst. Jeder dokumentierte Vorschlag, den der Arbeitgeber nicht geprüft hat, wiegt im Zustimmungsverfahren und später vor dem Arbeitsgericht schwerer als jedes Attest.
Bleibt der übliche Vorbehalt: Alle Summen sind nach den gesetzlichen Gebührentabellen (Stand 1. Juni 2025) für den Regelfall gerechnet und dienen der Orientierung in genau dieser Konstellation. Echte Verfahren streuen nach oben und unten. Die Deckungsfrage für den eigenen Vertrag beantwortet die kostenlose Prüfung schneller als jede Tabelle.
Häufige Fragen
Welcher Baustein deckt Kündigung Schwerbehinderung Lagerist?
Getragen wird diese Konstellation vom Baustein Berufs-Rechtsschutz (Arbeitsrecht). Ob er im eigenen Vertrag steht, zeigt der Versicherungsschein unter den versicherten Leistungsarten, und im Zweifel die Deckungsanfrage, die der Anwalt kostenlos stellt.
Was kostet dieser Streit ohne Rechtsschutzversicherung?
Nach der Beispielrechnung dieser Seite (8.400 Euro Streitwert): 1.786,49 Euro für den eigenen Anwalt in erster Instanz, im Verlustfall 4.354,48 Euro insgesamt, nach RVG und GKG, Stand 1. Juni 2025.
Gilt eine Wartezeit?
Ja, in den meisten Bausteinen 3 Monate ab Vertragsbeginn. Zusätzlich gilt: Der Rechtsschutzfall darf nicht vor dem Abschluss entstanden sein. Ein bereits laufender Streit dieser Art ist nicht mehr versicherbar.
Was ist im akuten Fall zuerst zu tun?
Beweise und Schriftverkehr sichern, Fristen notieren, dann die Deckungsanfrage stellen und die anwaltliche Ersteinschätzung einholen. Nichts unterschreiben und nichts zugeben, bevor beides vorliegt.
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