KFZ

Mit Sommerreifen im Winter erwischt: das Bußgeld ist das kleinste Problem. Über Ihr Geld entscheidet eine Klausel in der Kasko.

Winterreifenpflicht gilt situativ, nicht nach Datum. Beim Unfall mit Sommerreifen kann die Kasko kürzen, außer Ihr Tarif verzichtet darauf. Von Maklerin Massaro.

Alessandra Massaro

Alessandra Massaro

Versicherungsvermittlerin nach § 34d GewO

Aktualisiert am 26. September 2026

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Sommerreifen im Winter: beim ersten Schnee entscheidet die Bereifung über Bußgeld und Kasko-Leistung

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In Deutschland gilt die Winterreifenpflicht situativ: nicht ab einem Datum, sondern sobald Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch oder Reifglätte herrschen. Wer dann mit Sommerreifen fährt, zahlt ab 60 Euro Bußgeld und bekommt einen Punkt. Das eigentliche Risiko steht woanders: Beim Unfall darf die Vollkasko die Zahlung wegen grober Fahrlässigkeit kürzen, bei einem Schaden von 15.000 Euro schnell um mehrere tausend Euro. Gute Tarife verzichten auf genau diese Kürzung. Wissen Sie, ob Ihrer dazugehört?

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Winterreifenpflicht: ab wann? Es gibt kein Datum, es gibt Wetter

Die häufigste Frage lautet "ab wann gilt die Winterreifenpflicht". Die Antwort überrascht viele: Es gibt in Deutschland kein Stichdatum. Die Straßenverkehrsordnung (Paragraf 2 Absatz 3a StVO) schreibt Winterreifen situativ vor: immer dann, wenn Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte herrschen. Bei mildem Dezemberwetter dürfen Sie theoretisch mit Sommerreifen fahren. Beim ersten Schneematsch im Oktober nicht.

Die Faustregel "von O bis O", also von Oktober bis Ostern, ist kein Gesetz, sondern eine Empfehlung. Sie funktioniert trotzdem: Wer im Oktober wechselt, muss beim ersten Wintereinbruch nicht mehr nachdenken. Und der erste Wintereinbruch kommt fast jedes Jahr früher als der eigene Werkstatttermin.

  • Was als Winterreifen zählt: nur Reifen mit dem Alpine-Symbol, dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Reine M+S-Reifen ohne dieses Symbol gelten seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr, die Übergangsfrist ist abgelaufen.
  • Ganzjahresreifen: erfüllen die Pflicht, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Für Wenigfahrer in der Stadt oft die ehrliche Lösung.
  • Profiltiefe: gesetzlich reichen 1,6 Millimeter. Auf Schnee ist das zu wenig, Experten empfehlen mindestens 4 Millimeter. Darunter verliert der Winterreifen genau die Eigenschaft, für die Sie ihn gekauft haben.

Die Bußgelder, wenn Sie bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen unterwegs sind: 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Mit Behinderung anderer 80 Euro, bei Gefährdung 100 Euro, nach einem Unfall 120 Euro, jeweils mit Punkt. Auch der Halter zahlt 75 Euro, wenn er die Fahrt mit falscher Bereifung zulässt, etwa beim Firmenwagen oder beim Auto des Kindes.

Unfall mit Sommerreifen im Winter: wer zahlt was

Jetzt zum Teil, der wirklich Geld kostet. Beim Unfall mit falscher Bereifung zahlen die Versicherungen nicht einfach nicht. Es ist differenzierter, und die Unterschiede stehen im Vertrag:

SituationWer zahlt, und mit welchem Abzug
Sie verursachen einen Unfall, Schaden beim GegnerIhre KFZ-Haftpflicht zahlt dem Unfallgegner den vollen Schaden. Das Opfer bleibt geschützt, immer. Sie tragen die Rückstufung Ihrer SF-Klasse.
Sie verursachen einen Unfall, Schaden am eigenen AutoDie Vollkasko zahlt, darf aber wegen grober Fahrlässigkeit kürzen (Paragraf 81 VVG): je nach Schwere um 25, 50 oder mehr Prozent. Außer Ihr Tarif verzichtet auf diese Einrede.
Der Gegner verursacht den Unfall, Sie hatten SommerreifenSeine Haftpflicht zahlt. Aber sie kann Ihnen eine Mithaftung anrechnen, wenn die falsche Bereifung den Schaden vergrößert hat, etwa durch längeren Bremsweg. Üblich sind 20 bis 30 Prozent Abzug.
Glasbruch, Wildunfall, Diebstahl (Teilkasko-Fälle)Die Teilkasko zahlt normal. Die Bereifung spielt hier fast nie eine Rolle, weil sie den Schaden nicht verursacht hat.

Der wichtigste Satz aus dieser Tabelle: Sommerreifen im Winter machen den Versicherungsschutz nicht automatisch kaputt. Der Versicherer muss nachweisen, dass die Bereifung den Unfall verursacht oder verschlimmert hat. Wer auf trockener, eisfreier Straße auffährt, hat kein Reifenproblem, sondern ein Abstandsproblem. Aber beim Bremsweg auf Schneematsch ist der Zusammenhang schnell hergestellt, und dann wird gekürzt.

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Die Klausel, die den Unterschied macht: Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit

Grobe Fahrlässigkeit heißt: Sie haben das missachtet, was jedem hätte einleuchten müssen. Mit Sommerreifen bei Schneeglätte fahren gehört für Gerichte regelmäßig dazu. Das Versicherungsvertragsgesetz erlaubt der Kasko dann, die Leistung im Verhältnis zur Schwere Ihres Verschuldens zu kürzen. Bei einem Totalschaden von 20.000 Euro und einer Kürzung um 50 Prozent fehlen Ihnen 10.000 Euro.

Gute Tarife enthalten eine Zeile, die genau das abschaltet: "Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit". Steht sie im Vertrag, zahlt die Vollkasko auch dann voll, wenn Sie grob fahrlässig waren. Ausgenommen bleiben fast überall zwei Fälle: Fahren unter Alkohol oder Drogen und das grob fahrlässige Ermöglichen eines Diebstahls, etwa der Schlüssel im Zündschloss.

Genau diese Zeile ist ein Fall für die Wechselsaison bis zum 30.11.: Im Vergleichsrechner sehen der Tarif mit und der Tarif ohne Verzicht gleich aus, der Preisunterschied liegt oft bei wenigen Euro im Monat. Der Leistungsunterschied liegt bei tausenden Euro, an einem einzigen Wintermorgen. Zusammen mit der Tierklausel aus dem Wildunfall-Ratgeber ist der Verzicht auf grobe Fahrlässigkeit die Zeile, die billige von guten Tarifen trennt.

Und wer jetzt wechselt, bekommt beides in einem Schritt: den besseren Preis nach der neuen Regionalklasse und die zwei Klauseln, die im Winter tatsächlich gebraucht werden. Welche Kasko-Stufe überhaupt zu Ihrem Auto passt, zeigt der Vergleich Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko.

Unschuldig am Unfall und trotzdem weniger Geld? Die Mithaftung

Der Fall, der die meisten empört: Der Gegner nimmt Ihnen die Vorfahrt, eindeutig sein Fehler, und trotzdem zieht seine Versicherung Ihnen 25 Prozent ab. Begründung: Mit Winterreifen wären Sie rechtzeitig zum Stehen gekommen, Ihre Sommerreifen haben den Schaden vergrößert. Gerichte geben den Versicherern dabei regelmäßig recht, wenn die Straße winterglatt war.

Gegen so einen Abzug hilft kein Formular, sondern Verhandeln mit Gutachten, notfalls vor Gericht. Genau dafür ist der Verkehrsrechtsschutz gebaut: Er zahlt Anwalt und Gutachter, wenn Sie sich gegen die Kürzung wehren. Wer im Winter viel pendelt, hat mit Verkehrsrechtsschutz und Fahrerschutz die zwei Bausteine, die nach einem Winterunfall wirklich fehlen.

Übrigens gilt die Rechnung auch umgekehrt: Wenn Sie unverschuldet in einen Unfall geraten und Winterreifen montiert hatten, gibt es an Ihrer Quote nichts zu rütteln. Der Reifenwechsel im Oktober ist auch ein Beweismittel.

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La Winterreifenpflicht spiegata agli italiani in Germania

Questa sezione è in italiano perché la regola tedesca funziona al contrario di quella italiana. In Italia l'obbligo di gomme invernali va a date: di solito dal 15 novembre al 15 aprile, dove l'ordinanza lo prevede, e le catene a bordo sono un'alternativa ammessa. In Germania no: non c'è nessuna data e le catene nel bagagliaio non bastano. L'obbligo scatta con le condizioni della strada, neve, ghiaccio, fanghiglia, e vale anche a ottobre.

  • Controlla il simbolo, non la scritta: in Germania valgono solo le gomme con il simbolo alpino (la montagna con il fiocco di neve). Le vecchie M+S senza simbolo non valgono più dal 1. ottobre 2024. Se hai portato l'auto dall'Italia, guarda il fianco della gomma prima del primo freddo.
  • Multa e punto: guidare con gomme estive su neve o ghiaccio costa da 60 euro più un punto a Flensburg. Se presti l'auto a qualcuno con le gomme sbagliate, paghi anche tu come proprietario.
  • La clausola da cercare nel contratto: "Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit". Senza questa riga, dopo un incidente con gomme sbagliate la Kasko può tagliare il rimborso anche della metà. Se stai facendo il primo contratto tedesco, fatti riconoscere anche la classe di merito italiana: le due cose insieme fanno il contratto giusto.

Se stai confrontando tariffe per il 30.11 o la tua assicurazione ha tagliato un rimborso dopo un incidente invernale, mandami la polizza o il preventivo su WhatsApp: ti dico in 10 minuti, in italiano, se la clausola c'è e quanto vale.

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Häufige Fragen

Ab wann gilt die Winterreifenpflicht in Deutschland?

Es gibt kein festes Datum. Die Pflicht gilt situativ nach Paragraf 2 Absatz 3a StVO: sobald Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte herrschen. Die Faustregel "von Oktober bis Ostern" ist nur eine Empfehlung, aber eine praktische.

Ist es strafbar, mit Sommerreifen im Winter zu fahren?

Bei winterlichen Straßenverhältnissen ist es eine Ordnungswidrigkeit: 60 Euro Bußgeld und ein Punkt. Mit Behinderung 80 Euro, bei Gefährdung 100 Euro, nach einem Unfall 120 Euro. Bei trockener Straße ohne Glätte ist das Fahren mit Sommerreifen dagegen erlaubt.

Zahlt die Versicherung bei einem Unfall mit Sommerreifen im Winter?

Die Haftpflicht zahlt dem Unfallgegner immer den vollen Schaden. Die Vollkasko zahlt den eigenen Schaden, darf aber wegen grober Fahrlässigkeit kürzen, oft um 25 bis 50 Prozent. Tarife mit Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit zahlen auch dann voll.

Was bedeutet Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit?

Mit dieser Klausel verzichtet der Kasko-Versicherer auf sein Recht, die Leistung bei grob fahrlässig verursachten Schäden zu kürzen. Ausgenommen bleiben meist Fahrten unter Alkohol oder Drogen und das grob fahrlässige Ermöglichen eines Diebstahls. Die Klausel kostet wenig und ist der wichtigste Qualitätsunterschied zwischen Kasko-Tarifen.

Kann ich eine Mithaftung bekommen, obwohl der andere schuld war?

Ja. Wenn Sie bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen unterwegs waren und das den Schaden vergrößert hat, etwa durch längeren Bremsweg, rechnen Versicherer und Gerichte häufig 20 bis 30 Prozent Mithaftung an. Gegen die Quote hilft ein Anwalt, die Kosten übernimmt ein Verkehrsrechtsschutz.

Reichen Ganzjahresreifen für die Winterreifenpflicht?

Ja, wenn sie das Alpine-Symbol tragen, das Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Reine M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol erfüllen die Pflicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr. Für Wenigfahrer in der Stadt sind Ganzjahresreifen oft die wirtschaftlichere Lösung.

Welche Profiltiefe brauchen Winterreifen?

Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter, wie bei allen Reifen. Auf Schnee und Matsch verlieren Winterreifen aber schon unter 4 Millimetern deutlich an Haftung. Wer beim Reifenwechsel im Oktober weniger misst, sollte die Reifen ersetzen und nicht noch eine Saison schieben.

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